Wofür bist Du heute dankbar?

Vielleicht fragst Du Dich jetzt, wofür Du dankbar sein sollst? Für die Fehler Deiner Mitarbeiter, die Du ausbaden musst und dadurch noch weniger Zeit für Deine Familie hast? Für die Beschwerden Deiner Kunden? Für die Rechnungen und Mahnungen, bei denen Du gar nicht weißt, welche Du zuerst bezahlen sollst? Für die Kündigung eines Deiner besten Mitarbeiter und die Tatsache, dass Du schon seit mehreren Monaten eine Stelle ausgeschrieben hast, auf die sich bisher kein einziger Bewerber gemeldet hat? Für die Kilos, die Du zu viel auf den Rippen hast und Deinen zu hohen Blutdruck?


Gerade, wenn es uns nicht gut geht und die Herausforderungen und Probleme von allen Seiten auf uns hereinbrechen, lenken wir den Blick noch mehr auf genau das, was nicht funktioniert. Wir engen unseren Fokus ein und nehmen vor allem das wahr, was falsch läuft, was uns ärgert und was uns Sorgen macht. Wir sehen nur noch Fehler, Probleme, Schwierigkeiten.



Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, nur eine Seite der Medaille. Sicher gibt es auch in Deinem Leben, in Deiner aktuellen Situation etwas, wofür Du dankbar sein kannst. „Ja, das mag ja sein. Das hilft mir aber auch nicht weiter“, sagst Du vielleicht jetzt. – Du hast Recht. Den Blick auf ein paar Dinge zu richten, für die Du dankbar bist, löst sicher nicht Deine Probleme und Du wirst dadurch auch keine neuen Mitarbeiter finden oder neue Kunden. Wofür soll es denn dann gut sein?


Es werden 2 Dinge geschehen: In der Zeit, in der Du Dir überlegst, wofür Du dankbar sein kannst in Deinem Leben und sogar in Deiner derzeitigen Lage, kannst Du Dir keine negativen Gedanken machen. Ist Dein Gehirn gerade damit beschäftigt, positive Dinge zu finden, ist keine Kapazität frei für negative Gedanken, Ängste oder Sorgen. Du verlässt den Teufelskreis Deiner negativen Gedanken, in dem Du in den letzten Tagen und Wochen immer wieder gelandet bist und gefangen warst. Wenn Du Dich auf das Positive konzentrierst, das Gefühl der Dankbarkeit wirklich in Dir aufsteigen lässt und die Dankbarkeit auch spürst (also nicht nur halbherzig aufzählst, wofür Du dankbar bist), dann gibt Dir das plötzlich eine ganz neue und andere Energie. Bist Du aus der negativen Gedankenspirale ausgetreten, eröffnen sich Dir neue Lösungsmöglichkeiten, Du kannst klarer denken und hast Deine Perspektive verändert. So lange Du in Deiner Angst und im Krisenmodus feststeckst, arbeitet Dein Gehirn im Stressmodus – und in diesem Modus ist kein Raum für Kreativität oder neue Ansätze.


Zweitens verändert sich Dein Fokus. Du siehst nicht mehr nur das, was schiefläuft. Du merkst, dass es bei allen Ärgernissen und Problemen, in Deinem Leben trotzdem noch Dinge gibt, für die Du dankbar sein kannst und es auch bist. Es ist also nicht alles schlecht. Beim einmaligen Auflisten wird sich das noch nicht so bemerkbar machen. Wenn Du Deinen „Dankbarkeitsmuskel“ regelmäßig, am besten sogar täglich trainierst, dann relativiert das Deine Ängste und Sorgen. Ich denke, Du hast diese Erfahrung selbst schon gemacht. Steckt man mittendrin in einer belastenden Situation, dann überschattet das alles andere. Im Nachhinein betrachtet, war es dann oft doch keine so große Sache. Manchmal erinnern wir uns kaum mehr, warum uns dies oder jenes damals so aus der Fassung bringen konnte.


Ich bin mir sicher, dass es auch in Deiner Situation, mit all den Herausforderungen, denen Du Dich stellst, Dinge gibt, für die Du dankbar sein kannst: Du konntest heute Morgen aus dem Bett aufstehen. Du hast zwei gesunde Beine, auf denen Du stehen und Dich fortbewegen kannst. Du hast zwei gesunde Hände, mit denen Du Dir einen Kaffee kochen und Dir Dein Frühstücksbrötchen schmieren kannst. Du lebst in einem Haus oder einer Wohnung, hast also ein Dach über dem Kopf, hast ein warmes Bett, in dem Du schlafen kannst, aus der Leitung kommt frisches, sauberes kaltes oder warmes Wasser. Du leidest keinen Hunger, Dein Kühlschrank ist voll und Du musst Dir keine Sorgen machen, wovon Du Dich und Deine Familie heute satt bekommst. Du lebst in einem Land, in dem Frieden herrscht und in dem Du Deine Religion frei ausüben kannst.



All das erscheint uns selbstverständlich. Für uns ist es das. Und doch gibt es viele Menschen, für die all das nicht selbstverständlich ist. Wenn Du einmal krank bist, dann ist Dein größter Wunsch, schnell wieder gesund zu werden. Erst dann schätzen wir das Geschenk „Gesundheit“, das wir oft als Normalzustand hinnehmen. Manchmal reicht schon ein kleiner eingewachsener Nagel, der Dir bei jedem Schritt Schmerzen bereitet, um Dir zu zeigen, dass es auch anders sein kann.


Schau Dich also einmal in Deinem Alltag um und überlege Dir mindestens 5 Dinge, für die Du heute dankbar sein kannst. Du kannst daraus ein kleines Ritual machen – entweder für Dich alleine in Form eines Dankbarkeitsjournals oder auch mit Deiner Familie. So könnt ihr abends beim gemeinsamen Abendessen oder vor dem Zu-Bett-Gehen noch mindestens 5 Dinge aufzählen, für die jeder heute dankbar ist. Oder morgens, direkt nach dem Aufstehen.


Du kannst das Mittel der Dankbarkeit also auf verschiedene Weisen anwenden. Zum einen regelmäßig früh oder abends (oder auch früh und abends). Sozusagen als tägliche Dosis Dankbarkeit, die Du Dir selbst schenkst. Zum anderen ist es eine Methode, in einer herausfordernden Situation etwas Abstand zu gewinnen, Ängste in den Griff zu bekommen und den eingeengten, starren Blick zu weiten. Gerade in einer solchen Situation, die Dir Angst macht, kannst Du der Angst mit Dankbarkeit begegnen.


(Probiere es einfach einmal aus. Du kannst nur gewinnen. Das einzige, was Du benötigst, sind 1 -2 Minuten Zeit und die Bereitschaft, Dich auf das Experiment einzulassen. Du wirst merken, wie gut es tut und mit der Zeit wird es Dir leichter fallen, Dinge zu finden, für die Du dankbar sein kannst.)

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