Zusammen, so wie Fahrgemeinschaft (Fanta4)


Fällt es Dir leicht, andere um Hilfe zu bitten? Gibst Du gerne zu, wenn Du nicht weiter weißt? Oder dass Du vielleicht sogar einen Fehler gemacht hast?


Wahrscheinlich nicht, das tut niemand gerne. Die wenigsten Menschen, die ich kenne – und davon noch viel weniger Unternehmer – fragen gerne andere um Hilfe. Oder geben gar vor anderen Menschen zu, dass sie gerade nicht wissen, wie es weitergehen soll. Oft nicht einmal zuhause.


Was sollen denn die Leute denken? Die denken vielleicht, ich bin ein Versager. Ich habe es schließlich bisher immer alleine geschafft, irgendwie werde ich es auch dieses Mal schaffen. Wenn ich nur wüsste, wie…?


Auch ich war (und bin es in mancher Hinsicht immer noch) ein Mensch, der viele Dinge erst einmal mit sich selbst abmacht. Der nicht alles, was ihm durch den Kopf geht, sofort in die Welt hinausposaunt. Ich gehe meist erst dann mit einer Entscheidung nach außen, wenn ich sie für mich getroffen habe.


Doch ich habe in den letzten Jahren etwas ganz Wichtiges gelernt: wie wertvoll der Austausch mit anderen Menschen ist. Dass ich nicht alle meine Probleme alleine lösen muss, in meinem eigenen Saft schmoren und in meiner negativen Gedankenspirale festhängen muss. Und vor allem: dass viele andere Menschen, Unternehmer genau die gleichen (oder zumindest sehr ähnliche) Probleme haben.


Diese Erkenntnis tat mir sehr gut. Ich fühlte mich lange alleine. Ich war selbständig, Arbeitgeber und alle meine Freunde waren angestellte Arbeitnehmer. Mit wem sollte ich denn über die Probleme mit meinen Mitarbeitern sprechen? Von meinen Freunden hätte mich niemand verstanden. Wenn ich zuhause von Problemen mit den Krankenkassen und Absetzungen sprach, dann hatte mein Mann sofort Angst, wir müssten nun bald unter der Brücke schlafen. Also habe ich auch zuhause nicht über meine Sorgen gesprochen. Als ich zum ersten Mal mit anderen Unternehmern, Arbeitgebern ins Gespräch kam, merkte ich schnell, dass es Ihnen genauso ging. Viele hatten mit ganz ähnlichen Geschichten zu tun. Was für eine Wohltat! Endlich gab es Menschen, mit denen ich über viele Dinge aus meinem beruflichen Alltag sprechen konnte. Die vieles kennen, die es schon durchgemacht hatten und die mir dabei weiterhelfen konnten, meine Probleme zu lösen. Die ganz unterschiedliche Ideen, Vorschläge und Anregungen für mich hatten, wie ich mit der Sache umgehen konnte. Und das waren „nur“ Unternehmer, wie ich.


Als ich im Laufe meiner Ehe mit meinem Mann bei einer Eheberatung war, hat mir die Beraterin oft Fragen gestellt. Auf die ich oft keine Antwort hatte. In Folge dessen habe ich nach einer Antwort gesucht und darin lag oft die Lösung. Wahrscheinlich kennst Du das auch: wenn ein Freund Dir von seinen Problemen erzählt, liegt für Dich ganz klar auf der Hand, worum es geht und wie die Lösung aussehen kann. Bei den Dingen, die uns selbst betreffen, sind wir oft wie blind. Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht, weil ich einfach zu tief selbst drin stecke. Ich bin zu nah dran und es gelingt mir nur schlecht oder gar nicht, etwas Abstand zu gewinnen und eine andere Perspektive einzunehmen.



Wenn ich beim Arzt bin und der nicht weiß, was mir fehlt, dann erwarte ich, dass er mir das sagt. Und mich an einen Kollegen oder Experten weiterempfiehlt, der mir helfen kann. Für mich ist es ein Zeichen von Stärke, wenn ich weiß, wo meine Grenzen sind, wo meine Kompetenz endet. Und wenn ich das anderen gegenüber zugeben kann. Zu dem Arzt, der mich überweist, werde ich das nächste Mal wieder gehen, wenn ich etwas habe. Denn ich weiß, dass ich dort gut aufgehoben bin.


In einer Krise oder einer Situation, in der Du selbst nicht weiter weißt oder mit der Du Dich schon viel zu lange herumschlägst oder auf der Stelle trittst, ist es daher hilfreich, Dir einen Blick von außen zu holen. Es kann der Turbo sein, den Du so dringend benötigst. Hör auf, Dir etwas vorzumachen und davon zu reden, es sei ein Zeichen von Schwäche, um Hilfe zu bitten oder Fehler zuzugeben!

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